Was im Paralleluniversum so alles passiert

By | 10. Dezember 2009

Als du, Georg Samstag, alter Marketingleiter, eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachst, fühlst du dich so überhaupt nicht in irgendwas verwandelt. Noch fällt dir auf, dass irgendetwas anders wäre – bis du dein Fenster aufmachst und merkst, dass sich die ganze Welt über Nacht in ein Dorf verwandelt hat.

Potzblitz! Die Welt hat sich in ein Dorf verwandelt, denkst du, als du in deinen Marketingleiteranzug steigst und dich aufmachst, dein Tagwerk zu verrichten. Doch wie du ankommst, da fühlst du dich “slightly overdressed”, weil du feststellen musst, dass nicht nur die Welt ein Dorf, sondern auch dein Marketingleiterbüro ein Stand geworden ist. Ein Stand auf einem Marktplatz, einem wunderlichen Marktplatz voll wunderlicher Menschen: Da hinten bietet ein Fliegenfänger seine geröstete Ware feil. Da vorne feilscht ein altes Mädchen beim Kutschenmacher um ein paar Rappen. Und gleich neben dir verdingt sich ein abgehalfterter Fensterputzer als Nackt-Media-Berater.

Du reißt dich von diesem Anblick los, denn immerhin hast du ja ein paar Ziele zu erreichen. Da, wo früher dein schicker Schreibtisch gewesen, da müsste ja noch dein Instrumentarium liegen, blitzeblank gewienert von deiner Assistentin und in siebenhunderttausend Marketingschlachten erprobt. Doch was du findest, armer Marketingleiter ist nichts weiter als ein simples Megaphon.

Doch du bist keiner, der sein Schicksal beweint! Du beileibe nicht. Wacker nimmst du das Megaphon zur Hand und schreist deine Botschaft hinein, ganz so, als ginge es dir um die Rettung aller armen Seelen: “Leute, Leute kauft Ding, Ding ist wirklich innovativ und voll gut!”

Du weißt, deine Stimme ist voll und rund und wohlklingend, du hörst sie sich ausbreiten, lauschst ihrem kräftigen Klang, wie sie über den Marktplatz schallen will, doch dann mit einem mal, da wird sie einfach verschluckt.

Verschluckt vom Gewirr der ganzen anderen, die auch schreien und schreien und schreien von innovativen und Prozenten und Fahrrädern und Eulen. Wenn doch wenigstens die gemeinen Leute mal still wären, die da singen, lachen, sich unterhalten. Was müssen die sich hier darstellen? Die sollen einfach mal die Klappe halten und gefälligst “Ding” kaufen. Und so schreist du noch lauter und lauter und wie dich einer nachäfft, da schießt du ihm den Schädel weg, das hat er verdient, jawohl, undwieerdasverdienthat, denkst du.

Doch als der Mittag kommt und du deine Graupensuppe löffelst, da hast noch nicht ein Ding verkauft. Was ist das auch für eine Scheiße “Ding ist voll gut”. “Angesagt”! So muss es heißen! “Ding” ist voll angesagt, ja so funktioniert das.

Mit frischem Mut ölst du deine Stimme. Eine Latte leistet dir da gute Dienste. Frohgemut schreist du lauter als jezuvor, überzeugt, jetzt muss es klappen, an sich glauben, das muss man ja, das hast du beim coaching gelernt, doch die dummen Leute, die tun ganz einfach den dreimal verdammten Teufel, was nun aber leider nicht “Ding” kaufen ist. Zu kompliziert, denkst du, deine Message ist einfach zu kompliziert für den tumben Pöbel, sieh dir doch nur mal all diese Hartzer an. Wie du nun das gerade denkst, da erblickst du weitem ein kleines, altes Männlein, das auch ein “Ding” verkauft. Neidisch siehst du: Da stehen Leute. Sie unterhalten sich, erzählen sich Geschichten über das Ding des kleinen alten Männlein. Und das Männlein fragt sie, was ihnen an seinem Ding gefällt, was für Dinger sie gerne hätten. Und es erzählt ihnen die eine oder andere Geschichte über das Ding, und die Leute hören zu!

Du greifst nach deiner Pistole, Marketingleiter und hörst noch einen Moment zu.

Wirst du das Männlein erschießen? Oder gibt es noch eine andere Möglichkeit? Das werden wir in den nächsten Jahren von dir erfahren …

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
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Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

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