Journalismus und die Frage der Bürgernähe

by andre on 22. Februar 2010

Wie transparent darf Zeitung sein? Wie eng sollte sie mit den Bürgern zusammen arbeiten? Wenn man nach Michael Reinhard, Chefredakteur Mainpost, geht, dann ist gerade die Zusammenarbeit von Bürgern und Journalisten ein wahrer Trugschluss. Auf dem Lokaljournalismusforum in Dortmund wurde nämlich genau dieses Thema angesprochen und diskutiert. Reinhards Meinung dazu ist recht eindeutig.

Reinhard zu Bürgerjournalisten:
Bürgerjournalisten – das kann man auch nur mit uns machen. Niemand käme auf die Idee, zu einem Bürgerchirurgen zu gehen oder mit einem Bürgerpiloten zu fliegen.

Doch warum eigentlich nicht? Projekte, wie zum Beispiel das Projekt von Sascha Lobo und der Wirtschaftswoche (Debattenbeitrag 2.0) zeigen doch, dass auch nicht gelernte Journalisten durchaus clever und schreib begabt sind. Ich verstehe die Angst der Journalisten, doch müssen sie meiner Meinung nach endlich von dem Gedanken abkommen, dass andere ihnen ihren Job streitig machen wollen. Wahrscheinlich geht es auch weniger darum, dass sie Angst haben, dass der qualitative Content fehlt, sondern vordergründig ist es der Stolz, dass andere, nicht gelernte Journalisten, auf einmal zu Redakteuren werden. Ich persönlich muss sagen, dass es mir egal ist, wer einen Artikel schreibt, die Hauptsache ist doch, dass er mich informiert und vor allem unterhält. Genau deswegen stelle ich mir und euch erneut die Frage, wie eng Journalisten mit Bürgern zusammen arbeiten sollten?
Vorab sei erwähnt: Ich weiß, dass man an gewisse Zeiten gebunden ist, und das Journalismus auch immer mit Zeitdruck und Schnelligkeit verbunden ist. Doch warum fängt man nicht einmal langsam an, Online mit Offline zu verknüpfen? Wenn man ehrlich ist, sind ein Großteil der Artikel, die man in der Zeitung liest schon einen Tag vorher im Internet behandelt worden! Man könnte doch damit anfangen, diese Quellen zu erwähnen! Oder ist es dann wieder eine Frage der Seriosität? Ich denke, dass viele Blogs durchaus eine gewisse Qualität haben und mitunter erwähnenswert sind.

Sascha Lobo hat es meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt gebracht und zu der Aussage von Reinhard Stellung bezogen:
Dahinter steht für mich Arroganz. Von Bürgerjournalisten könnten Journalisten viel lernen. Das mit einzubauen in den journalistischen Alltag, halte ich für Ihre Pflicht.

Doch wie könnte dieser Einbau aussehen? Das Thema Zeit ist mit Sicherheit ein wichtiger Faktor. Doch stellen wir uns die Frage, wo die Journalisten überall ihren Content herbekommen! Ist es wirklich nur noch die Straße, wo Redakteure ihre Informationen sichten? Mit Sicherheit nicht! Auch sie sind in Twitter und Co und tauschen sich mit anderen Leuten aus. Ein gutes Beispiel ist meiner Meinung nach der RZChefredakteur, Christian Lindner. Ich kann Euch sagen, dass ich voher nicht die Rhein-zeitung gelesen habe, weil sie mir ehrlich gesagt gar nicht richtig bekannt war. Seitdem Zeitpunkt, dass ich ihm followe und mit ihm in den Dialog treten kann, hat die Zeitung für mich einen anderen Mehrwert bekommen. Ich kaufe sie zwar immer noch nicht, doch besuche ich sie im Internet und verfolge die Tweets des RZChefredakteurs. Für mich genau der richtige Schritt in die richtige Richtung.
Ich höre schon die Worte aus dem Hintergrund. 2800 Follower bei Twitter, was ist das schon, wenn man diese Leuten mit den Leuten vergleicht, die die Zeitung kaufen? Dazu kann ich nur sagen. Diese Worte können nur aus dem Mund von denjenigen kommen, die selber nicht twittern oder sich nicht mit dem Medium befassen. Ich will auch nicht darauf eingehen, welchen Mehrwert diese Follower haben. Denn am besten melden sich die Leute, die auch der Auffassung sind, dass diese Follower, gemessen an den Käufern der Zeitung, keinen Mehrwert haben, mal an und sehen und erfahren selber, wie Informationen heutzutage auch verbreitet werden können.

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