Schirrmachers Payback – Tweeds, Tweets und die digitale Kluft

By | 22. Februar 2010

Frank Schirrmacher Payback

Frank Schirrmacher Payback

Kann ein Buchstabe die Akzeptanz eines ganzen Buches entscheiden? Ich weiß es nicht und ich wage es auch nicht darüber zu urteilen. Für mich war es interessant, mich mit dem Buch zu beschäftigen! Noch einmal vielen Dank an Sachar Kriwoj, der mir das Buch empfohlen hat.
Wenn man das Buch in der Hand hält und vor allem den Untertiel liest

“Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”

dann könnte man meinen, es ist mal wieder eines der Bücher, die uns die allseits bekannten Probleme von Realität und digtalem Zeitalter aufzeigen. Ein Buch, dass uns von Twitter erzählt und zum 100 mal aufzeigt, dass dieser Dienst wichtig ist und man ihn doch nutzen sollte. Doch so ist es nicht, wird man doch schnell von eines besserem belehrt und taucht ein in eine Debatte, die teilweise schon beängstigend sein kann. Frank Schirrmacher schreibt direkt und bringt es teilweise schon etwas hart auf den Punkt. Eigentlich so, wie er es immer getan hat. Der große Kugel, um die sich vieles dreht sind in seinem Werk Payback die “Digital Natives” und “Digital Immigrants”. Zumindest der erste Begriff war mir natürlich bekannt, doch muss ich zugeben, dass ich den zweiten Begriff so zum ersten mal gehört habe.
Meiner Auffassung nach bringt Schirrmacher wirklich sehr interessante neue Ansatzpunkte, die ich vorher so noch nicht wahrgenommen habe, aber die es auf jeden Fall Wert sind, darüber zu diskutieren. Hauptaugenmerk legt Schirrmacher in dem Buch auf die “Digitale Überforderung”. Eine Überforderung, mit der manch einer vielleicht schon einmal zu tun hatte, und eine Angst, die so manch einen davon abhält, überhaupt das Buch zu lesen und sich damit auseinander zu setzen. Er führt uns vor Augen, dass auch diese Überforderung zu Fehlern führen kann und uns teilweise sehr unter Druck setzt. Denn was ist beispielsweise mit den ganzen Freundschaften, die wir immer und immer wieder auf Facebook pflegen müssen. Antworten wir mal nicht direkt auf eine Frage, könnte der gegenüber gleich denken, wir wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Schließlich sind wir durch die Networks doch immer und überall erreichbar. Nicht zu vernachlässigen ist Twitter, der Dienst, der uns scheinbar alle Informationen zur Verfügung stellt, die wir brauchen. Doch hilft er uns wirklich dabei, oder ist es eher ein Dienst, der uns von den eigentlichen Sachen des Lebens abhält?
Wie steht es um diesen Beitrag, den ich hier gerade schreibe? Vielleicht sollte ich meine zeit besser anders verwenden und sinnvoll nutzen. In seinem ersten Kapital “Mein Kopf kommt nicht mehr mit” bringt es Schirrmacher ganz direkt auf den Punkt. Er zeigt uns wie es in ihm aussieht und beschreibt seine persönliche Krise, in die ihn die Social Networks und Co gestürzt haben. Doch das Schöne ist, dass er uns mit unseren Problemen nicht alleine ist. Er versucht uns aufzuzeigen, wie wir mit diesen Problemen umgehen können, und wie man wieder den Ausweg aus dieser Krise finden kann. Ich erinnere mich noch an ein Titelbild aus der Time. TimeGenau so kam es mir in dem Buch irgendwie vor! Eine Aufforderung an die Leute, endlich selber ein Teil dieses Ganzen zu werden. Er fordert die Leute auf, die noch nicht den Mut gefasst haben, sich in eine Welt voll von Informationen zu begeben und gleichzeitig spricht er auch die an, die sich in der Welt befinden, doch bereits ein wenig dieser Krise verspüren. Es ist mit Sicherheit kein einfaches Thema, doch schafft er es meiner Auffassung nach sehr gut, den Zahn der Zeit zu treffen, und das Problem vieler Leute in diesem Buch zu beschreiben. Doch wie sieht es aus, mit so kleinen Fehlern, die auch in diesem Buch begangen werden?

Sind es Tweeds, oder doch eher Tweets?

Die Süddeutsche Zeitung stolperte auch sofort über den Fehler und schlussfolgert daraus:
“Mit dieser Verwechslung eines einzigen Buchstabens – weil sicherlich die Kurznachrichten von Twitter gemeint sind, die sich “Tweets” buchstabieren, und nicht der Stoff, aus dem die Uniformjacken deutscher Studienräte geschneidert sind – verliert der Text den Respekt jener “Digital Natives”, die in dem Buch durchaus Material finden würden, um die Debatten hierzulande zu bereichern”
Mit Sicherheit war es kein Rechtschreibfehler, liegen “d” und “t” doch schon ein wenig auseinander auf der Tastatur. Doch ist so ein kleiner Fehler wirklich gleich ein Grund dafür, an der Akzeptanz dieses Buches zu zweifeln? Ich weiß, in jeder Präsentation die man wohlmöglich vor Kunden gehalten hätte, wäre man nachher verspottet worden. Aber ich persönlich finde den Fehler nicht so schlimm, auch wenn er mir gleich aufgefallen ist.
Ich persönlich kann das Buch nur unter der Rubrik empfehlenswert ablegen, auch wenn man es stellenweise doch schon für etwas übertrieben halten kann. War zumindest mein persönliches Gefühl, dass ich bei einigen Angst einflößendes Floskeln empfunden habe.

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
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Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

4 thoughts on “Schirrmachers Payback – Tweeds, Tweets und die digitale Kluft

  1. Sachar

    Schön, dass Du meiner Empfehlung gefolgt bist. :-)

    Schirrmacher gibt so viele gute Anstöße; ich finde es bedauerlich, dass “Payback” von Vielen auf twitter vorverurteilt wurde, ohne dass sie es überhaupt aufgeschlagen haben. Aber ich muss auch sagen, dass die “Tweed”-Geschichte mich im Vorfeld hat zweifeln lassen. So ein Fehler darf in so einem Buch NIE, NIE, NIE passieren.

  2. andreandre Post author

    Vielleicht habe ich den Vorteil, dass ich auf Grund weniger Erfahrung wesentlich unvoreingenommner bin! Ich habe am Anfang auch echt grinsen müssen, aber gebe Dir in gewissen Teilen recht, ist schon ziemlich peinlich! Aber nun gut, alles andere war ja recht interessant!

  3. Pingback: Der Fixierungscode – Ibrahim “Ibo” Evsan und was Apps, Networks und Co alles bewirken – LOGOLOOK

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