Social Web, ab 4,99€ im Monat

By | 21. November 2010

Twitter pro Monat: 4,99 € / Monat ; Jahresflatrate 50,00 €

Facebook pro Monat: 8,99 € / Monat ; Jahresflatrate 100,00€

Ja was wäre, wenn wir alle auf einmal wirklich zur Kasse gebeten werden? Und mit “wir” sind nicht nur wir, die hier lesen und schreiben gemeint, sondern auch die Auftraggeber, Kunden, wirklich alle, die Tag für Tag wunderbare Briefings schreiben und von einem Großteil von uns kommunikative Ideen fordern, die die Marke stärken und in ein schönes Licht rücken. Obwohl die Gebühr wahrscheinlich mit der Unternehmensgröße variieren müsste. (Schade ist nur, dass die es eh nicht lesen werden, die es betrifft) Denn schließlich wünscht sich keiner, dass über seine Marke hergezogen und negativ gesprochen wird. Oder?

Es geht nicht darum, dass ein Großteil der Unternehmen noch nicht bereit für diesen Schritt ist, es geht eher darum, dass in meinen Augen viele den Aufwand noch nicht zu schätzen wissen, oder nicht einschätzen können. Social Web heisst nicht Facebook, Social Web heisst auch nicht Twitter. Für mich heisst das, Kontakte zu knüpfen, Informationen auszutauschen, Feedback zu erhalten und  eine ganze Menge neues lernen zu dürfen. Für mich waren die Barrieren noch nie so gering, mich mit Leuten austauschen zu dürfen, die ich so vermutlich niemals kennen gelernt hätte.

Doch durch die Erfahrungen die ich in der letzten Zeit sammeln durfte, habe ich auch für mich ein paar Rückschlüssen ziehen können.
Während für große klassische Kampagnen noch immer viel Geld gezahlt wird, fällt dieses “lästige” Beiwerk, was einige auch als “Social Web” bezeichnen, noch immer klein aus. In den Briefings steht es drin, aber was man wirklich will, findet man selten vor. Man hat das Gefühl, es muss halt gemacht werden, weil es die anderen auch tun. Denn irgendwie hat man Angst, den Anschluss zu verlieren. Logisch, denn noch nie war der Markt so sehr umkämpft wie heutzutage.
Die Aufgaben sind zahlreich, und wir werden in  den nächsten Jahren vermutlich noch viel zu tun haben.

Bis dato sieht es aber noch oftmals so aus. Man hat kleine Budgets, aber dafür eine umso höhere Erwartungshaltung. 10000 Follower auf  Twitter wären schön. Und wenn man gleich dabei ist, auch noch mal bitte 10000 “gefällt mir” auf Facebook.
Natürlich wissen die Leute, dass das mit Arbeit verbunden ist, aber dass man sich dann gleich Fulltime damit beschäftigen muss? Puhhhhh.
Jetzt mag sofort manch einer aufschreien und sagen: “Sei doch froh, würden sie alles wissen, dann hättet ihr nichts zu tun!” Das mag wohl stimmen, ich würde Euch bitten, noch den Ende des Textes abzuwarten.

Ich habe mich daher mal mit folgender Frage auseinander gesetzt und habe von einigen Kollegen auch recht interessante Antworten erhalten.

Würden Auftraggeber den Arbeitsaufwand zu schätzen wissen und die Zeit dafür eingestehen, wenn Dienste wie Twitter und Facebook nicht kostenlos wären?

Wie ich auf die Frage gekommen bin? Beim Mittagessen, mit dem Kollegen Lenz, der gerade eine Präsentation vorbereitete. Wir unterhielten uns über die so genannte “Kostenlos Kultur”, die bei einigen schon sofort die Nackenhaare aufstehen lässt. Beispiel gefällig?

“Die Kostenloskultur ist ein Mythos und argumentativ kompletter Humbug. Die Nutzer zahlen mit ihrer Zeit. Früher war den Verlagen dies etwas wert – wegen der Werbekunden. Nun zahlen die Nutzer aber auch noch für technische Endgeräte und Online-Zugang.” sagt Thomas Knüwer.
Ich sollte dazu sagen, dass ich in der Einleitung schrieb, ich würde einen Blogartikel schreiben, in dem es um die Kostenlos Kultur geht.
Daher erkennt man vermutlich auch schon an der Antwort, dass man hier weniger auf die Frage, sondern eher auf den Begriff Kostenlos Kultur eingegangen ist. Dr Begriff ist fragwürdig, gar keine Frage und wir könnten hier nun auch noch mehrere Stunden diskutieren. Doch beschreibt er für mich gut die Denkweise einiger Leute. Warum sonst, werden im iTunes Store zum Beispiel weitaus mehr kostenlose Apps, als kostenpflichtige runtergeladen? Kostenlos heisst nicht, dass man geizig ist, aber man möchte doch heute wie damals sicher sein, dass man etwas vernünftiges bekommt, wenn man sein Geld ausgibt. Und ich gebe Thomas völlig recht. Nutzer zahlen für technische Endgeräte und den Online Zugang. Aber ob das alle vor Augen haben und darüber nachdenken? Ich denke nicht.

Thomas Pfeiffer, Gründer von webevangelisten meint zu meiner Frage.
“Nein, ich denke, das schlägt nicht auf die Auftraggeber durch. E-Mail ist kostenlos und sie verstehen es, dass man für einen Newsletter Zeit braucht. Auftraggeber zahlen nicht, weil sie es sich nicht vorstellen können, dass es Zeit braucht und/oder sie SoMe erst mal low-budget testen wollen.”

Wiederum eine etwas andere Auffassung hat Thilo Specht, selber Kommunikationsexperte und auch schon einige Briefings auf dem Tisch gehabt.
Thilo Specht,
“Ich denke, der Outcome rechtfertigt letztendlich die Höhe der Aufwendungen (oder auch nicht). Die (fehlenden) Fremdkosten sind nicht der Flaschenhals.”

Was mir außerdem noch sehr am Herzen liegt, ist folgender Punkt. Man kann das, was ich hier geschrieben habe, keinesfalls auf alle übertragen. Es gibt Leute / Unternehmen da draußen, die zu den Entscheidern gehören und ganz genau wissen auf was sie sich einlassen.
Doch trotzdem habe ich persönlich das Gefühl, dass es noch zu viele gibt, die die Macht und die Kraft vom Social Web falsch einschätze oder es gar nicht einschätzen können, weil sie sich nicht damit beschäftigt haben.

Wer sich noch weiter mit dem Thema beschäftigen will, der schaut vielleicht auch mal bei Sachar vorbei, der heute auch einen schönen Beitrag geschrieben hat.
Don´t Call it Social Media

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
---
Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

7 thoughts on “Social Web, ab 4,99€ im Monat

  1. Meike Leopold

    Hallo, ich finde es eher problematisch, wenn Agenturen bzw. Dienstleister suggerieren, sie könnten einem Unternehmen diese Aufgabe zu einem wie auch immer gearteten Preis abnehmen (Cirquent, für das ich arbeite, hat bspw. schon lächerlich hohe Angebote für den Aufbau einer Facebook-Seite bekommen!) Das geht nämlich nicht wirklich. Und es geht auch irgendwann nach hinten los, wie die zahlreichen größeren und kleineren Krisen von Unternehmen hier im Social Web beweisen. Im Social Web präsent sein, das heißt weitestgehend: Mitdenken, Selbst machen, mitreden, involviert sein, eigene Ressourcen bereitstellen (sic!). Die Partner können aus meiner Sicht “nur” beraten bzw. coachen, einem Unternehmen das tägliche Doing aber nicht abnehmen.

  2. Pingback: Social Web, ab 4,99€ im Monat

  3. andreandre Post author

    Da gebe ich Dir teilweise recht!
    Am besten ist es wirklich, wenn es die Unternehmen selber machen, da sie selber am besten wissen, wie es in dem Unternehmen aussieht. Aber es geht ja nicht nur um die Bespielung der Kanäle!
    Das ganze soll am Ende des Tages ja auch am besten auf die Marke einzahlen und ins CI passen. Das ist ja am Ende des Tages auch eine Menge an Strategie.
    Ich selber mag es nicht, wenn man von “Social Media Strategie” spricht. Für mich ist das alles ein teil der Unternehmensstrategie und da ist es wichtig, das ein Zahnrad in das andere passt.

    Und ich gebe dir vollkommen recht, die Preise müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen!

    Liebe Grüße

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *