Wie sozial bin ich?

By | 25. März 2011

Vermutlich stellt man sich diese Frage äußerst selten. Ja vielleicht auch gar nicht. Obwohl ich sie bei näherer Betrachtung doch recht spannend finde. Daher habe ich dann auch mal meine Denkerstirn hier abgebildet.

Auf Veranstaltungen erlebt es ja relativ selten, dass nach einer Präsentation Fragen aus dem Publikum gestellt werden. So auch wieder mal bei der letzten Veranstaltung. Doch dann wagte es jemand, sich aus seinem Sessel zu erheben und das Mikro zu ergreifen.

“Wie Sozial sind eigentlich die Neuen Medien, wenn man mir auf meine Fragen nicht antwortet? Und ich kann ihnen sagen, ich bekomme sehr sehr oft keine Antwort”

Jetzt mag manch böse Zunge sagen, wenn du keine Freunde hast, bekommt du auch keine Antworten. Aber das wäre nicht nur unfair, das wäre auch zu einfach. Denn “sozial sein” hat nicht was das damit zu tun, ob man zu seinen Freunden sozial ist, sondern wie sozial man zu all seinen Mitmenschen ist.

Es ist wohl eines der ältetsten Beispiele das man kennt. Die alte Dame, die an einer viel befahrenden Straße steht. Mittlerweile schwingt sie sich vermutlich auf ihren Rollator und kommt sicherer über die Straße, als so manch ein Ohrstöpselträger. Die Frage dabei ist jedoch, wie viele von uns würden der Dame eigentlich noch helfen?

Oftmals hat man es schon gehört. “Der Mensch als soziales Wesen” Zusammenleben, gemeinsam für eine Sache kämpfen, andere unterstützen. Noch dazu trägt einer der wichtigsten Begriffe  im Bereich der Kommunikation dieses soziale in sich.

“Social Media”

An sich ja schon schwer vorstellbar, wie man etwas technischem (Media) was soziales abgewinnen kann. Aber es scheint wohl gerade diese Symbiose aus Technik und Mensch zu sein, was uns reizt. Doch mit fortschreitender zeit merken wir wieder, dass wir uns selber viele Wege verbauen. Denn eigentlich haben wir die Technik zu dem gemacht was sie ist. Sachen entwickeln sich nicht von alleine weiter. Irgendwo sind immer wir Menschen am Werk.

Und würde man ein paar Wissenschaftlern ein wenig Taschengeld geben und sie einfach mal machen lassen, ich würde nicht wissen wollen, was dabei rumkommt.

Und dann ist es doch eigentlich schön, wenn man sich mal wieder auf seine eigenen Tugenden besinnen kann.
Was kann ich, was mach ich, wer bin ich.

Was glaube ich nicht passieren darf ist der Punkt, dass diese Neuen Medien den Kern unseres Ichs verändern. Gefühlt gibt es da draußen einige Personen, die sich durch ihre Follower und Co zu höherem berufen fühlen. Manchmal vermutlich doch mehr Schein als Sein. Privat sind sie anders.

Vielleicht sollte man auch auf Twitter und Co mal wieder mehr anfangen, dass vorzuleben, was man anderen in den letzten Jahren empfohlen hat. Kommentieren gleich kommunizieren? Es ist gleichzusetzen mit der Dame, der ich über die Straße helfen möchte. Nehme ich sie an die Hand und helfe ihr hinüber. Oder zeige ich ihr nur wie es geht und lasse sie alleine hinüber gehen.

Vielleicht braucht es wirklich technische Beschränkungen, die uns erst einmal wieder vor Augen führen, dass es nicht auf die Anzahl von Freunden und Followern ankommt, sondern einzig und allein die soziale Verbundenheit eine Rolle spielt.

Ich glaube, wir alle könnten noch ein wenig sozialer sein.

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
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Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

8 thoughts on “Wie sozial bin ich?

  1. Dennis

    Das ist natürlich vollkommen Richtig und irgendwie scheint es so als ob viele Mitglieder dieser schönen neuen Welt und dem Sozialen langsam anfangen darüber nachzudenken was eigentlich wirklich das “Social” bedeutet.

    Vielleicht sollte man einfach alles noch einmal überdenken.

  2. andreandre Post author

    Ich glaube wenn wir alles überdenken, dann haben wir zumindest für einige Veranstaltungen wieder genug futter :) Vielleicht gibt es dann auch die Social Media Überdenkungsberater …

    Lass uns mal schnell eine neue Gruppe anlegen

  3. Boris aka electrouncle

    Hallo,

    einige Gedanken gefallen mir sehr gut.Es ist lange an der Zeit das eigene Verhalten auf den sozialen Plattformen endlich mehr zu reflektieren. Allerdings hat der in Social Media steckende Begriff ” sozial” zunächst mal gar nichts mit sozial im Sinne von gut (Wertend) zu tun. Also auch nichts mit der alten Dame. Menschen sind zwar soziale Wesen aber längst nicht alle soziale (gute, helfende, altruistische) Wesen. Wenn man auch die Hoffnung haben kann und sollte das Social Media auch zu einer anderen und besseren Welt führen könnten. Dies geschieht aber nur durch die schöpferische Kraft der Menschen und nicht schon durch
    die Existenz von Social Media

    Danke für die Inspiration
    gruss Boris aka @electrouncle

  4. andreandre Post author

    Moin Boris, danke für deine Worte.

    Aber vielleicht zeigt sich da auch schon ein weiteres Problem. Gebe dir auch vollkommen recht und es zeigt, wie viel Interpretationsmöglichkeit dieser große Kosmos einem lässt. Vielleicht habe ich es wirklich ein wenig zu “einfach” adaptiert, muss aber auch ehrlich sagen, dass ich es mal einfach so niedergeschrieben habe, wie es mir in den Sinn kam.

    Dein Punkt mit der “besseren Welt” klingt beim lesen irgendwie so lächerlich, obwohl er es gar nicht ist. Muss ich erst noch einmal drüber nachdenken :)

    Danke für deine Inspiration

  5. Sam

    Du verwendest “sozial” mit der herkömmlichen (und ansonsten ja auch korrekten) Defintion – die sozialen Netzwerke/Medien (social media / networks) bezeichnen aber eben gerade eine technische Lösung im Vergleich zu reinen Publikationsseiten oder Foren ohne Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen den Nutzern/Besucher.
    In SocialMedia ermöglicht der Betreiber dem Nutzer/Besucher, sich selbständig mit anderen Nutzern/Lesern zu verbinden, um so ein Netzwerk aufzubauen. Diese Analogie des Netzwerkes wurde in USA dann mit “social” umschrieben…

    Wie man die Dinge nutzt, sollte jedem überlassen sein. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist, was Kontakte angeht…leider kann man das dann aber nicht mehr überall entsprechend ändern :-)

  6. Johannes Lenz

    Moin André,

    ein interessanter Post. Habe gerade drüben auf Facebook bei Rob etwas geschrieben, der Twitter “zur reinen Infomaschinerie” verkommen sieht und fragt, ob “es sozial ausblutet”.

    Ich denke, das dem nicht so ist. Das liegt daran, das wir alle unterschiedlich sind und aus diversen Gründen in den schönen Neuen Medien sind. Ich will gar keine Kategorien bilden, aber jeder hat so seine Vorstellung warum er twittert, bloggt, facebooked und Gott weiß was noch.

    Wenn ich jemandem erklären will, was Social Media bzw. das Social Web für mich ist, dann beginne ich in der Regel mit dem “social”. Ich verstehe darunter so etwas wie eine Gemeinsamkeit, die sich darin zeigen kann, dass man sich weiterhilft, was Tipps, Links, Artikel, Retweets usw. sein können oder aber auch “nur” ein “Hey, wünsch Dir viel Erfolg oder Du kriegst das hin” seiin kann. Alles in allem sehr facettenreich. Aber: Das “Social” schließt nicht das Negative aus. Eben ganz wie offline.

    Ein Aspekt, den Du aufgreifst teile ich: Einige fühlen sich zu Höherem berufen. Ich denke denke mir dann immer mal wieder: We rnicht weiß, woher er kommt, weiß auch nicht wohin er geht. Allerdings: Es gibt auch diejenigen (und es ist so hoff eich die Mehrheit), die trotz ihrer in Quantität gemessenen “Autorität” die Nähe nicht vermissen lassen.

    Diese Quantität kann aber eben auch die von dir zum Schluss angesprochene “soziale Verbundenheit” beinhalten, denn woher weiß ich eigentlich mit wem der/die X auf Twitter und darüber hinaus “befreundet” ist? Wenn ich jetzt nicht auch in diesem Dunstkreis bin, weiß ich das gar nicht.

    Ich muß Schluss machen mit meinen Für und Wieder-Gedanken. Meinen inneren Kern verändern die neuen Medien nicht. Ich weiß woher ich komme.

    Liebe Grüße und bis moin ;)

    Johannes

  7. Boris

    Hallo,

    ja klingt sehr komisch finde ich auch. Liegt vielleicht auch an meiner Generation. Ist aber in seiner idealistischen Aussage auch nicht überzubewerten. Fakt ist, dass unsere Art zu Wirtschaften immer stärker an Grenzen gerät. Fukushima und die Finanzkrise lassen grüssen . Es wird uns also gar nichts übrig bleiben, als unsere Lebens- und Wirtschaftsweisen zu verändern.

    gruss Boris

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