Kollaboratives Versagen – Er war´s

By | 14. August 2011

Wer war das?

Wenn man Geschwister hatte, war die Antwort immer recht einfach. Und auch, wenn man sich in einer größeren Gruppe befand. Schwierig wurde es erst, wenn man alleine da stand.

Es gibt so viele Situationen, in denen es einfach keiner gewesen sein will. Erst kürzlich wackelte eine Person an einem fremden Wagen. Sie selber benutze dafür ihr eigenes Auto. “Entschuldigen sie, sie haben an dem Wagen gerüttelt!” “Wer ich? Ich hab nichts gemerkt.”

Natürlich hatte sich die Beule bei dem anderen Wagen durch die gleich gepolten Magnete in den Stoßstangen verformt. Wer kennt das Phänomen nicht? Wenn man zu nah an ein anderes Auto heranfährt, ohne es zu berühren, dann hinterlässt man halt seine Spuren.

Gleiches gilt auch für das Internetz. Diesem Beziehungsgeflecht unterschiedlichster Persönlichkeiten, die alle darauf hinaus sind, sich gegenseitig zu helfen. Jeder Kommentar ist eine Lobeshymne auf das geschriebene Wort und auch sonst sind wir alle Freunde.

Außer …

… es ist alles nicht so wie wir uns es vorstellen. Denn von Natur aus wissen wir es doch alle besser. Es wäre viel zu einfach.

Wo würden wir hinkommen, wenn es gleich beim ersten mal eine Zustimmung geben würde? Wo würden wir landen, wenn die großen Argumentationsketten, die wir schon in der Schule durchführen mussten, im Sande stecken bleiben? Was wäre, wenn man einfach mal einer Meinung wäre?

Es geht nicht/kaum.

Das Internetz beschleunigt den Datenfluss ganz gewaltig. Und während der eine den Artikel des anderen liest, liest der andere den Artikel des einen. Dabei nimmt der eine die Information des anderen wieder auf und beschreibt es auf eigene Art und Weise nochmals. Kopieren geht nicht und wenn, dann nur mit eigenen Worten.

Und oh Wunder, auf einmal kommt was ganz anderes dabei heraus, obwohl man doch das Gleiche gemeint hat.
Das gab es schon in der Schule. Denn eigentlich  wollte man doch nur mit eigenen Worten vom anderen abschreiben. Doch komischerweise deutete der Lehrer es anderes. Aus der 2 des Nachbarn wurde plötzlich eine 4.

Das Netz heute bietet eine Menge Quellen zum Abschreiben. Und es funktioniert, solange alles richtig ist. Man ärgert und neckt sich untereinander, aber an die große Glocke wird es nicht gehangen. Es stimmt doch. Außer die Quelle kommt einem auf die Spur, und durchschaut den Plan des Abschreibers.

Noch.

Denn im Netz bildet sich plötzlich eine ganz andere Strömung. Eine Reihe von Leuten kommt auf die Idee, dass das, was du da gerade verbreitet hast, gar nicht der Wahrheit entsprechen würde. Es gibt nur wenige Leute, die sich trotzdem hinter ihre Aussagen stellen. Aber was tun, wenn es als falsch entlarvt und doch eigentlich gar nicht von mir verfasst wurde.

Der Ärger ist zunächst einmal groß.  Bei der Klassenarbeit, sprang dann meistens eine schlechte Note wie beim Nachbarn heraus. Denn Falsches falsch kopiert ist noch lange nicht richtig.
Dem Lehrer war es in diesem Augenblick egal. Die Note war Strafe genug.

Aber nicht dem Leser. Er möchte wissen, wie man auf diese Idee kam. Es gilt, sich zu rechtfertigen, aber die Argumente bleiben aus. Plötzlich gibt es eine Quelle für das geschriebene Wort. Doch die Quelle will nicht enden. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch das Netz, bis man bei der Person landet, die sich hinter das geschriebene Wort stellt.

Was lernen wir daraus.

Wer das Netz nutzt, sich dort aufhält und auch eine Meinung äußert, der sollte eine Haltung haben. Eine Haltung zu dem was er schreibt, und was er vertritt. Er sollte sich im klaren darüber sein, was auf ihn zu kommen kann, wenn andere diese Meinung nicht vertreten.
Der heutige Netznutzer ist einer großen Zahl von Betrachtern ausgesetzt, die ihn im ersten Moment vielleicht gar nicht wahrnehmen, aber jederzeit die Möglichkeit haben, dieses zu ändern. Nur einen Klick entfernt, dann bist du mittendrin. Im Schlamassel. Dann benötigst du Zeit und vor allem auch Ausdauer.

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
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Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

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