Wenn Google deine Krankheit heilt

By | 18. April 2012

Vor einiger Zeit saß ich mal wieder in dem Warteraum einer Arztpraxis. Eigentlich nichts neues, verbringe ich seit meinem 16 Lebensjahr so manche Stunde dort. Die meisten Lesezirkel hat man auch schon durch. Vor allem dann, wenn die Abstände wieder mal kürzer geworden sind. Doch da gab es eine Zeitschrift, die kannte ich noch nicht. So ein Fachmagazin halt. Die Headline kam mir bekannt vor, haben doch schon andere in diese Richtung geschossen.

Der durchsichtige Mensche – Google kennt dich

Eigentlich lese ich mir so etwas gar nicht durch. Ich hab ein Google-Konto, nutze Gmail, Google Apps für Business und und und. Aber der Doc wollte und wollte nicht kommen. Ich fing an den Artikel zu lesen und fragte mich von Satz zu Satz, ob der Redakteur sich eigentlich schon einmal mit etwas anderem, als seinem alten Commodore befasst hat. Der Artikel war fachlich nicht fundiert. Nein ich würde sogar sagen, er war falsch. Denn wenn ein Dienst wie Google, von so vielen Menschen genutzt wird, dann kann nicht alles falsch sein, was man in der Vergangenheit gemacht hat. Doch dann, ich habe es kaum noch erwartet, ein kluger Satz.

Das Potenzial eines Unternehmens, das sowohl das Internet, aber auch die Menschheit prägt, geht über das VORSTELLBARE hinaus

Ich dachte mir nur. Stimmt. Aber was ist das VORSTELLBARE?

Vor einiger Zeit traf ich auf einer Veranstaltung Philipp Schinder. Mittlerweile in der Führungsetage bei Google (Vice President Global Business Operations) angelangt, war er zu dem damaligen Zeitpunkt noch  Nordeuropa Chef von Google. Zu diesem Zeitpunkt hatte man gerade Google Plus gelauncht und wir unterhielten uns über die Vorteile dieses Dienstes.
Auf eine anscheinend nicht ganz “sinnvolle” Frage von mir antwortete er nur

Wir befassen uns sogar noch mit ganz anderen Dingen“.

Genau an diesen Satz musste ich an diesem Augenblick wieder denken. Waren / Sind es diese “ganz anderen Dinge”, die der Redakteur mit dem “nicht vorstellbaren” meinte? Vielleicht schon.
Seit dem habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was in meinen Augen ungewöhnlich, aber doch ziemlich wünschenswert wäre.
Wie schon erwähnt saß ich wieder mal in einem Wartezimmer. Ich wartete auf den Arzt, der mich wie so oft im Jahr mal wieder zur Kontrolle sehen wollte. Nach dem Artikel griff ich zu meinem iPhone, um etwas im Web zu suchen. Da stand doch letztens wieder mal, was Google so an Gewinn einfährt. Um die 2 Milliarden oder so müssten es doch gewesen sein. Übrigens auch ein Fakt, den der Redakteur kritisierte. Denn was mache man denn mit dem Geld? Gleiches dachte ich mir auch. Unvorstellbar viel Geld und nur neue Applikationen?Applikationen, die uns noch mehr Zeit rauben?

WARUM KEINE APPLIKATION, DIE UNS ZEIT SCHENKT?

Ich fragte meinen Arzt, wie sich Ärzte eigentlich heute informieren. Und man muss sagen, es ist größtenteils noch ziemlich Old School. “Das was in unseren Büchern steht, gibt es nicht Digital. Das meiste Wissen auch nicht.” Eine Erklärung auf jeden Fall, warum die Bücherregale in den Arztpraxen immer noch so voll sind. Aber mir kam da eine Idee.

Was wäre eigentlich, wenn man dieses gesamte Wissen digitalisieren könnte, und einen ärztlichen Suchalgorithmus entwickelt?
Der funktioniert folgendermaßen.

Die Ärzte, ihre Bücher, ihre Niederschriften, ihr Wissen kommt in eine Datenbank. Eine Datenbank sortiert nach Fachbereichen. Klassisch, so wie man es kennt. Durch die verfügbaren Techniken, die Google ja nun einmal hat, basiert diese gesamte Datenbank auf Echtzeiterkenntnissen. Eine “abgespeckte” Version der Datenbank ist auch für Patienten einsehbar. Diese dürfen aber keine Inhalte selber einstellen. Auf der anderen Seite wird diese Datenbank mit weiteren Themen abgeglichen, die keinen medizinischen Bezug zu dem eigentlichen Thema habe.

Die Aufgabe von Google. Die medizinische Suche vereint das weltweite Expertenwissen. Es fügt das Wissen, die Erkenntnisse, die Gedanken von Menschen zusammen, die so eigentlich keinen Bezug zu einander bekämen. Es addiert das unvorstellbare, zu dem der menschliche Gedanke vielleicht noch gar nicht kommen würde. Nicht weil er es nicht kann, sondern weil ihm die Reichweite fehlt. Die Reichweite, die man heute auch durch einfache Dinge wie Meere, Straßen, Wälder, Türen, Mauern ausdrücken kann. Denn das wahre Leben ist kein virtueller Raum, durch den man so einfach hindurch schreiten kann. Deswegen mag ich Google. Sie erlauben mir Dinge zu tun, zu erfahren, zu sehen, zu lernen, an die ich so nicht dran kommen würde.

Aber und das stört mich persönlich. Sie informiert mich über Dinge, für die man keine Antwort parat hat. Die Suche erklärt mir  vieles und zum Teil auch sehr genau, was eine / meine Krankheit auszeichnet. Sie zeigt mir aber noch nicht, wie man sie besiegt.

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
---
Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *