Tatort Elfmeterpunkt

By | 7. November 2012

Es war das Spiel des Jahres. Alles oder nichts. Es wurden Lieder geschrieben, Fahnen bemalt und Banderolen gefertigt.
Schon Stunden vorher sangen die Fans sich. Nur für das eine Ziel. Aufstieg in die 1. Fußball Bundesliga.

Ein zerfahrenes Spiel. Nervosität lag in der Luft. Einfache Fehler wurden gemacht. Dann war es fast geschafft. Langsam versammelten sich die Fans um das Spielfeld. So, wie man es auch von den schönen Begegnungen aus den Kreisligen kennt.
Schlusspfiff. Ab geht’s. Sie stürmten das Spielfeld.

Doch der Pfiff ertönte nicht. Vermutlich war es der tiefe Atemzug des Schiedsrichters, der den Doppelton ertönen ließ.
Doch schon war es voll. Menschenmassen stürmten das Spielfeld. Freude und Leid lagen nah beieinander. Wären die einen vor Freude die Bengalos zündeten, kam es bei den anderen zum Unwohlsein.

Und während der ein oder andere gar nicht mehr aufhören wollte zu tanzen, marschierte einer von ihnen ruhig und gemütlich zum Elfmeterpunkt. Ein Andenken der besonderen Art sollte es sein. Mit seinen Händen, groß wie ein Spaten, schaufelte er sich den Weg zur Bodennarbe des Rasens. Zum Glück gab es die Slowmotion Kameras, die die Tat noch schnell einfingen.

Die weitere Geschichte kennen sie. Die Präsenz bei Bild und Co wurde dem “Dieb” schnell zu teil. Der Verein hatte weiterhin andere Sorgen.

Nun, wo alles so scheint, als wäre es geklärt, wird die Grasnarbe noch einmal umgekrempelt.

Klage gegen den Rasendieb. 50.000 €

Zu dem rechtlichen Aspekt kann ich nichts sagen. Aber aus kommunikativer und auch aus Fansicht habe ich eine Meinung dazu.

Man versetze sich in die Lage das Fans. Lange Zeit fieberte er in der zweiten Liga mit einem Team. Vermutlich in Guten wie in schlechten Zeiten. Lange Zeit war seine Laune geprägt von schlechten Ergebnissen. Montage wurden zu einer reinen Talfahrt, als Kollegen und gegnerische Fans ihn mal wieder auf die Schüppe nahmen.
Nun war es soweit. Endlich. Einfach mal der Freude freien Lauf lassen. Ds die Freude noch 2 Minuten hätte warten sollen scheint klar.

Wie viele Meisterschaften gab es, wo Leute den halben Platz zerlegten? Fragen sie mal, was in den letzten beiden Jahren in Dortmund passierte.

Auch aus kommunikativer Sicht scheint mir dieser Schachzug nicht klug. Gerade hatte man erst die letzten Negativschlagzeilen verdaut, macht man selber das nächste Fass auf. Aus Markensicht hatte man eigentlich genug verkraftet, doch nun geht man auch noch gegen die eigenen Fans.

Ich weiß nicht wie ihr es seht. Ein Großteil der Leute, die auch gerade um mich herum stehen und mit diskutieren finden es dass einzig Richtige.

“Der Junge gehört bestraft.”

Ich habe in dieser Situation eine andere Meinung.

andre
Seit 1.6.2016 bin ich als Director Digital Consulting bei GREY beschäftigt. Hier kümmere ich mich vor allem um die Entwicklung und Weiterentwicklung von Digitalstrategien für unsere Kunden.
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Nach meinem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation
bei der Werbeagentur GREY worldwide in Düsseldorf. Vor und während meiner Ausbildung
setzte ich mich viel mit den Neuen Medien auseinander und vertiefte mein Wissen in der strategischen
Planung und der Digital Unit des Unternehmens. Nach der Ausbildung wechselte ich in die Festanstellung und betreute namhafte Kunden der Agentur im Bereich der Neuen Medien und strategischer Digital Konzeption. Seit der Gründung im Jahre 2011 arbeitete ich bei
der „Deutsche Markenarbeit GmbH“. Hier war ich als Assistent der Geschäftsführung und baute den Bereich der Neuen Medien auf. Nach der 60% Übernahme der Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte ich gemeinsam mit Frank Dopheide zur Verlagsgruppe, nach der ich noch einen Zwischenstopp bei der akom360 (Starcom Mediavest) einlegte.

Während meiner Ausbildung bei GREY gründete ich Logolook (April 2009). Seit dieser Zeit habe ich mich mit einer Vielzahl von Logos und Marken auseinandergesetzt. Dabei steht nicht immer nur das Design, sondern vor allem auch die Werte des Unternehmens im Fokus.

2 thoughts on “Tatort Elfmeterpunkt

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  2. zuvielekoeche

    Da viele Fußballuninteressierte oder  wenig Interessierte aus den Medien nur wahrgenommen haben, dass in Düsseldorf eine der größten Randalekatastrophen der Fußballgeschichte stattgefunden haben muss, kein Wunder, dass einige denken, der arme Mann gehört bestraft. Als Fan weiß man (wie du schon richtig sagtst), dass solche Szenen nach Spielschluss bei Meisterschaften und Aufstiegen ganz normal sind und hat Mitleid mit den Armen, die einfach nur etwas zu früh auf den Platz gekommen sind.
     
    Anscheinend wird der Verein leider nicht von Fußballinteressierten oder gar Fans geführt. Vielleicht kann der arme Tropf, der sicher keine 50.000 € über hat, es ja so drehen, dass der Verein eine Mitschuld trägt, da die Sicherheitsvorkehrungen versagt haben…
     
    Dazu noch dieser Link: http://www.publikative.org/2012/05/16/hurra-wir-leben-noch/ Im zweiten eingebettenten Video sieht man wie ein junger Sportreporter R. Beckmann ähnliches erlebt und ganz anders kommentiert.

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